koala

Reiseberichte Australien





Australien

Australien:
Grösse: 7,7 Mio. km2, Einwohner ca. 20 Mio. (2004)
Hauptstadt: Canberra, Einwohner ca. 320.000



31.10. - 1.12.2005

Sydney Opernhaus, Harbour Bridge, Botanischer Garten, die Lage am Wasser, die Hafenviertel The Rocks und Darling Harbour sind wohl die bekanntesten Sehenswuerdigkeiten der ca. 4,2 Millionen Stadt Sydney und stehen bei uns natuerlich auch auf dem Besucherprogramm. Ueber diese Stadt wurde und wird soviel berichtet, dass wir auf Einzelheiten verzichten. Sie ist auf jeden Fall sehenswert. Besonders das muschelfoermige Opernhaus mit der gewaltigen Harbour Bridge im Hintergrund oder umgekehrt ist ein grossartiger Anblick. Und so fotografieren wir diesen Anblick aus verschiedensten Perspektiven, von Lande und zu Wasser und von oben..., und es wird unser haeufigstes Fotomotiv in Sydney. Begeistert sind wir auch vom Botanischen Garten, dort wird unter anderem ausdruecklich zum Betreten des Rasens eingeladen und zum Umarmen der Baeume aufgefordert.
Die riesigen Ausmasse dieser Stadt, die auf dem Lande nicht zu enden scheint, sieht man am besten vom Sydneytower. Einen tollen Blick auf die Skyline haben wir jedoch nicht nur vom Tower und vom Hafen, sondern auch von der Dachterrasse unserer Unterkunft. Ein typisches Hostel fuer Rucksackreisende im Stadtteil Kings Cross mit viel jungem Publikum, wo wir mal wieder von jungen deutschen Reisenden gesiezt werden. Oh je, sehen wir schon so alt aus?

In Sydney treffen wir auch Baerbel, eine Freundin aus Freiburg, die zufaellig auch hier ist. Mit ihr fahren wir zum Manly Beach. Dort an der Faehranlegestelle entdecken wir zu unserer Begeisterung einen ALDI und machen gleich mal einen Rundgang. Es ist fast wie in Deutschland, es gibt sogar der Jahreszeit entsprechend Nuernberger Lebkuchen (importiert aus Deutschland).
Nach 3 Tagen in Sydney fliegen wir nach Adelaide, um von dort mit einem kleinen Wohnmobil (Campervan) wieder nach Sydney zurueckzufahren.

Adelaide wirkt nach Sydney auf uns eher wie ein "Provinzstaedtchen", obwohl es auch ueber eine Million Einwohner hat. Auf den breiten Strassen geht es gemuetlich zu und der Linienbusfahrer steigt sogar fuer uns aus, um uns persoenlich den Weg zum Hostel zu zeigen. Das Zentrum ist im Vergleich zu Sydney klein und uebersichtlich, hat aber eine grosse Fussgaengerzone, die uns irgendwie an die Zeil in Frankfurt erinnert. Und ein europaeischer Einfluss wird an vielen Ecken in Adelaide sichtbar. Wir waren zwar nur kurze Zeit in der Stadt, aber haben uns dort ganz wohl gefuehlt.

Am naechsten Morgen holen wir den gemieteten Campervan ab, der fuer die naechsten 26 Tage unsere fahrbare Wohnung sein wird. Urspruenglich wollten wir ja nur an der Kueste entlang nach Sydney zurueckfahren, doch weil wir auch etwas Outbackatmosphaere schnuppern wollen, aendern wir kurzfristig den Plan. Wir fahren deshalb ins Landesinnere Richtung Broken Hill, dessen Umgebung auch das "kleine Outback" genannt wird.
Anfangs geht die Fahrt durch das Barossa Valley, einem bekannten Weinanbaugebiet in Australien, danach durch fruchtbares Land mit riesigen Getreidefeldern soweit das Auge reicht. Auf verkehrsarmen Nebenstrassen erreichen wir dann den Murray River, den laengsten Fluss in Australien. Hier geht es sehr beschaulich zu, eine beliebte Aktivitaet ist Urlaub mit dem Hausboot. Wir ueberqueren den Fluss kostenlos mit einer Faehre, da es sich um eine oeffentlichen Strasse handelt und es keine Bruecke gibt.

Die erste Nacht im Wohnmobil verbringen wir auf einem Caravanpark im Ort Berri. Unsere kleine Wohnung, ein umgebauter Toyota Kleinbus, ist erstaunlich gut ausgestattet. Hinter Fahrer- und Beifahrersitz ist eine kleine Kueche mit Kuehlschrank, Gasherd mit Grill, Mikrowelle, Toaster, Spuelbecken und zwei Schraenke als Stauraum. Die zwei Sitzbaenke mit Tisch koennen im Handumdrehen zu einem geraeumigen Bett umgebaut werden. Durch den Dachaufbau koennen wir sogar bequem stehen. Alles zweckmaessig auf kleinstem Raum und sogar Bettzeug und Kochgeschirr ist mit dabei. Schon nach der ersten Nacht fuehlen wir uns wie die alten "Campinghasen"....:))

Erste Kaenguruhs Eukalyptuswaelder, Getreidefelder, rote Erde, Eukalyptuswaelder, Getreidefelder, rote Erde, usw., so koennte man das beschreiben, was wir auf den naechsten 200 Kilometer sehen. Aber auch ein paar Emus, die am Strassenrand grasen. Unser naechster Stopp ist der Kinchega Nationalpark, ein relativ kleiner Park, an einem Flusslauf gelegen, mit einigen Seen und viel Vogel- und Tierwelt. Nachdem wir bisher Kaenguruhs leider nur tot am Strassenrand gesehen haben, begegnen wir hier endlich den ersten zwei Lebenden und dann auch noch gleich Mutter mit Kind. Sehr knuffig. Der Campingplatz wird von der Nationalpark-Verwaltung unterhalten. Die geringe Gebuehr wirft man am Eingang zum Park einfach in eine Geldbox und fuellt eine Registrierungskarte aus, die am Auto angebracht wird. Die kleinen Stellplaetze sind sehr idyllisch entlang des Flusses verteilt. Unserer hat sogar eine Buschtoilette (Plumpsklo), die wir dann aber doch nicht benutzen, da eine graue Riesenspinne mit weissen Punkten bereits dort eingezogen ist.... Wir sind ganz allein auf dem Platz, nur bei Einbruch der Dunkelheit huepfen noch drei Riesenkaenguruhs vorbei.

Vom Kinchega Nationalpark wird die Landschaft immer karger, bis wir irgendwann Broken Hill erreichen. Die Strasse ist gut ausgebaut, aber Autos sind selten, so selten, dass man sich per Handzeichen gruesst, wenn man mal jemanden trifft. In der Minenstadt Broken Hill kehren wir um und fahren auf einer anderen Strasse wieder Richtung Sueden zu unserem naechsten groesseren Ziel, dem Wyperfeld Nationalpark. Wir sind wieder ganz allein auf einem riesigen Campingplatz, nur Emus und Kaenguruhs schauen vorbei und unzaehlige Fliegen.
Apropos Fliegen: Diese laestigen kleinen Biester, die das gesamte Outback beherrschen und auch sonst fast ueberall zu finden sind, sind einfach nur nervig. Verscheuchen und um sich schlagen hilft wenig, sie sind immer da, stuerzen zuerst auf Augen, Nasen und Mund und erst bei Einbruch der Dunkelheit verziehen sie sich langsam.

Am naechsten Morgen stossen wir erst mal auf Alex Geburtstag an, um diese Zeit nur mit Orangensaft, da wir ja noch fahren muessen. Den Sekt gibt's spaeter. Bei der Rundfahrt durch den Park sehen wir auch wieder sehr viele Kaenguruhs und muessen aufpassen, dass uns keines ins Auto huepft.

Wir huepfen weiter zum naechsten Nationalpark, dem Grampians. Dass er sehr bekannt ist, merken wir schnell an der Zahl der Touristen, die mit Mietwagen und Wohnmobilen unterwegs sind. Aus dem flachen Land ragt der Grampians wie ein kleines Mittelgebirge heraus. Bachlaeufe, Wasserfaelle, ueppige Vegetation und viele Tiere sind sein Aushaengeschild. Selbst auf dem Campingplatz in Halls Gap kommen die Kaenguruhs vorbei und farbenfrohe Sittiche und weisse Kakadus fressen uns aus der Hand.
Im Grampians bleiben wir eine weitere Nacht, diesmal jedoch auf einem Nationalpark Campingplatz, wie wir das schon im Kinchega und Wyperfeld gemacht haben. Die Nationalpark Campingplaetze haben meistens nur Toiletten, kaltes Wasser und Feuerstellen, manchmal auch Duschen und Gasgrills. Die Uebernachtungsgebuehren wirft man entweder in die bereitstehenden Geldboxen, zahlt vorher in den Parkbueros oder ein Ranger kommt vorbei und kassiert ab. Wir haben im Durchschnitt etwa 8 Euro pro Nacht fuer einen Platz bezahlt. Das Schoene an den Plaetzen ist, dass sie mitten in der Natur liegen.
Die privaten Campingplaetze und Caravanparks liegen fast immer ausserhalb der Nationalparks, trotzdem oft immer noch schoen gelegen, und kosten im Durchschnitt 15-20 Euro. Dafuer gibt's heisse Duschen, Waschmaschine und Trockner, und auch mal eine kleine Kueche. Auf den Caravanparks kamen wir uns mit unserem Minibus manchmal etwas kleingeraten vor, da die Australier oft mit grossen Allradjeeps und noch groesseren Wohnwagen unterwegs sind.

Great Ocean Road Die Great Ocean Road wird zu den schoensten Kuestenstrassen der Welt gezaehlt und ist ca. 170 Kilometer lang. Markante Felsformationen und Steilklippen kennzeichnen die abwechslungs- und kurvenreiche Strecke. Entlang der Strasse gibt es sehr viele Aussichtspunkte auf bekannte Felsformationen wie London Bridge, die Grotte und natuerlich die 12 Apostel. Es geht trotz Vorsaison schon sehr touristisch auf der Great Ocean Road zu und wir muessen uns teilweise an die besten Fotoplaetze draengeln.
Auf halber Strecke uebernachten wir im Otway Nationalpark und sind im "Koalaland" gelandet. Bisher keinen einzigen gesehen und hier bevoelkern sie die Eukalyptusbaeume. Von Weitem sieht es aus, als haette jemand Plueschtiere in die Astgabeln gesetzt, aber sie sind lebendig. Wir sehen sie klettern, fressen, mit Baby und wir hoeren sie. Ja, was macht der Koala fuer Laute? Er ist ein "roehrender Grunzer"! Auf Deutsch, es hoert sich an wie eine Mischung aus Wildschwein und Hirsch und das fuer einen kleinen Koala recht laut.

In Melbourne merken wir wieder mal, dass Weihnachten vor der Tuer steht. Geschaefte und Strassen sind wie in Deutschland geschmueckt und Christmas-Songs toenen aus den Laeden. Nur der riesige Plastik-Weihnachtsbaum ist gewoehnungsbeduerftig und dass hier gerade Fruehling ist und wir im T-Shirt herumlaufen. Wir finden, Melbourne kann man sich anschauen, muss man aber nicht gesehen haben. Deshalb bleiben wir nur einen Tag und fahren lieber wieder in die Natur.

Unseren urspruenglichen Plan, nur an der Kueste entlang zu fahren, aendern wir zum zweiten Mal und fahren in die Berge zum Lake Eildon an einen einsam gelegenen Campingplatz. Viele Kaenguruhs kommen morgens und abends auf den Campground und grasen bevorzugt auf der Wiese vor den Waschraeumen. Neugierig wird jeder bestaunt, der da rein und raus geht. Noch neugieriger sind die Voegel, bei denen wir sogar aufpasssen muessen, dass sie nicht ins Autoinnere fliegen.
Campen am See Weiter geht es in die Snowy Mountains, das heisst die Schneeberge und tatsaechlich gibt es noch einige Schneereste auf dem hoechsten Berg Australiens, dem Mount Kosciuszko (2228 m). Und wir fahren auch durch Thredbo, dem bekanntesten Skiort des Landes mit ueberraschend vielen Pisten und Liften. Wenn die Eukalyptuswaelder nicht waeren, koennte das auch in den Alpen sein. So ging es uns uebrigens in einigen Regionen, durch die wir gefahren sind.

Wieder zurueck an der Kueste sind es nur noch gut 450 Kilometer bis Sydney und wir lassen es ab hier ruhiger angehen. Wir fahren nur noch kuerzere Strecken, bleiben auch mal laenger an einem Ort, wandern, relaxen und grillen.
Das Grillen ist in Australien sowieso aeusserst beliebt. Ob auf dem einfachen Rastplatz, in den Parkanlagen und auf allen Campingplaetzen, egal ob Nationalpark oder privat, stehen Barbeques (Grills) - von der Holzkohleversion bis zum Gasgrill. Und trotzdem bringen viele australische Camper noch ihren eigenen Grill mit, oft noble Geraete. Die Fleischabteilung in den Supermaerkten haben eine immense Auswahl an fertig abgepacktem Grillgut, besonders Rindfleisch, das hier auch wesentlich guenstiger ist als bei uns.

Kurz vor Sydney machen wir dann noch mal einen kleinen Abstecher in die Berge und haben noch das Glueck, im Halbdunkeln unseren ersten und einzigen Wombat zu sehen. Die nachtaktiven und scheuen Pflanzenfresser wiegen bis 30 kg und sehen ein wenig aus wie kleine pummelige Baeren. Unserer schimpft entruestet wegen der Stoerung und fluechtet vor der Kameralinse.

Nach 26 Tagen und 4400 gefahrenen Kilometern kommen wir schliesslich wieder in Sydney an. Von den ca. 800 Nationalparks in Australien haben wir gerade mal 17 besucht bzw. sind durchgefahren. Es gibt also noch viel zu Entdecken und Anzuschauen....
In Sydney geben wir unsere kleine "fahrende Wohnung", an die wir uns gerade so schoen gewoehnt haben, mit etwas Wehmut wieder ab und verbringen die letzten 2 Tage noch mal in der Stadt.

Wir hatten eine grossartige Zeit in Australien, waeren gerne noch etwas laenger geblieben, aber wir wollen ja noch mehr von der Welt sehen. Wettermaessig wurde aus dem erwarteten sonnig-warmen Fruehling leider ein durchwachsener Mix, schon mit viel Sonne, aber auch kuehlen Naechten und zum Schluss viel Regen. Doch jetzt wartet doch hoffentlich der neuseelaendische Sommer auf uns.




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